Was ist ein Gæðingakeppni?
Ein Artikel von Sigurbjörn Bárðarson
Warum Gæðingakeppni-Disziplinen?
Das “Gæðingakeppni” ist die am weitesten verbreitete Form des Wettbewerbes zu Pferd auf Island. Hierfür gibt es viele Gründe:
Zum einen steht es sehr im Einklang mit den alten Traditionen rund um das isländische Pferd und zum anderen können die besonderen Merkmale der Islandpferde im Gæðingakeppni gegenüber herkömmlichen Wettbewerben deutlich gemacht werden.
Eigenschaften wie Geist und den Charakter, die Form unter dem Reiter als auch Kraft und Ausstrahlung in Verbindung mit der freien und einfachen Form des Wettbewerbs an sich machen es einfach, das Pferd auf eine positive Art und Weise zu präsentieren.
Die Teilnehmergruppen sind nach dem Alter unterteilt: Kinder-, Jugend-, Junioren- und Erwachsenen-Klassen.
Kinderklasse 10 – 13 Jahre
In der Kinderklasse werden zwei Runden auf einer Ovalbahn geritten. Das Programm wie folgt:
Schritt an einer langen Seite, Trab und/oder Tölt an einer langen Seite und Galopp an einer langen Seite. Es verbleibt ca. eine halbe Runde (inkl. einer langen Seite) als Reserve, welche man unbedingt im Falle von Fehlern nutzen sollte oder wenn man sich in einer bestimmten Gangart verbessern möchte.
Sowohl jede Gangart als auch der Sitz und die Einwirkung werden beurteilt und der Reiter muss sein Pferd für mindestens eine lange Seite in der betreffenden Gangart vorstellen, um die volle Bewertung zu erhalten. Die Benotung für jede Gangart zählt zu 50% aus der Gangart selber und zu 50% aus Sitz und Einwirkung
Auf diese Weise haben alle Kinder, die gut reiten können, die Möglichkeit zum Erfolg. Somit gewinnt nicht immer das beste Pferd – es kann genauso gut das Kind mit der höheren Bewertung für guten Sitz, Einwirkung oder Reitkunst sein.
Die Form dieses Turniers fördert den Sitz des Reiters und die gute Kontrolle über sein Pferd – Merkmale, die die jungen Reiter mit in die folgenden Klassen nehmen.
Jugendklasse 14 – 17 Jahre
In der Jugendklasse ist das Programm ein bisschen schwieriger, welches nur eine natürliche Entwicklung im Hinblick auf die höheren Klassen ist.
Hier werden drei Runden auf einer Ovalbahn geritten (wie auch in der B-Flokkur), Schritt an 2/3 einer langen Seite und die verbleibenden Gangarten an je einer langen Seite im freien Tempo Trab, langsamer Tölt, schneller Tölt und Galopp. Es verbleibt eine lange Seite zur freien Auswahl, z.B. für Korrekturen oder um in einem Versuch die beste Gangart noch einmal für das Gesamtergebnis zu verbessern.
Die Bewertung für die Gangarten ist nicht alleine ausschlaggebend – es werden auch Benotungen für Sitz und Einwirkung in allen Gangarten vergeben, die 1/3 der Gesamtnote ausmachen. Die Beurteilungen zeigen, dass Sitz und Einwirkung vor allem in den jüngeren Klassen bewertet werden und der Gedanke, der sich dahinter verbirgt, ist die Vorbereitung für die Erwachsenen-Klassen.
Juniorenklasse 18-21 Jahre
In der Juniorenklasse wird das Programm der B-Flokkur (siehe weiter unten) mit einem Unterschied geritten: Die Junioren erhalten auch Noten für Form unter dem Reiter und Temperament, jedoch zählen diese nicht doppelt.
B-Flokkur Gæðinga (Viergänger)
In dieser Klasse werden drei Runden geritten, Schritt für mind. eine halbe lange Seite, Trab, langsamer Tölt, schneller Tölt und Galopp auf einer langen Seite je Gangart und eine lange Seite besteht freie Wahl in der Gangart, um die volle Bewertung zu erhalten. Form unter dem Reiter und Temperament werden mit 2 multipliziert, aber die Beurteilungen für die Gangarten haben kein extra Gewicht.
A-Flokkur Gæðinga (Fünfgänger)
In dieser Klasse kommt der Pass hinzu, welcher auf einer geraden 175 m langen Strecke gezeigt wird, die als eine lange Seite (1/2 Runde) einer Ovalbahn zählt. Die Gesamtrundenzahl von drei Runden bleibt bestehen, d.h. 2 ½ plus Pass auf einer Geraden.
In der A-Klasse gibt es keine Forderung nach langsamem Tölt – das Tempo darf frei gewählt werden, jedoch sind leichte Tempounterschiede bis zur mittleren Geschwindigkeit gewünscht.
Die Noten für Tölt, Pass, Temperament/Geist und Form unter dem Reiter zählen doppelt und werden mit 2 multipliziert.
In allen Klassen kann der Reiter einmal die Hand wechseln so er es wünscht.
Der Wettbewerb beginnt und endet an einer kurzen Seite der Ovalbahn mit Ausnahme der A-Flokkur:
Entscheidet sich der Reiter, mit dem Pass auf der langen Geraden zu enden, muss er nicht wieder in die Ovalbahn zurück reiten, um seine Vorstellung zu beenden. Nachdem der Reiter auf der kurzen Seite mit dem Wettbewerb begonnen hat, kann er selber den Zeitpunkt der Passvorstellung bestimmen.
Wenn wir das Gæðingakeppni mit anderen Turnierformen vergleichen, sehen wir, dass der Reiter bei den anderen Turnierformen die entscheidende Rolle mit präzisem Reiten, Rhythmus, Geschwindigkeit und Form spielt.
Im Gæðingakeppni aber spielt das Pferd die zentrale Rolle und für die meisten Pferdetypen passt diese Turnierart, weil sie Freiheiten erlaubt und offener ist.
Es gibt wesentlich weniger Anforderungen an die Präzision und die Vorführung basiert auf Geist, Kraft, Ausstrahlung und Erweiterungen in den Gangarten.
Um eine Wertung zu erhalten, muss der Reiter je eine Gangart an je einer langen Seite zeigen. Er darf einmalig die Hand wechseln und er kann die Gangarten in beliebiger Reihenfolge präsentieren, um das Maximum für jede Gangart herauszuholen. Zum Beispiel kann der Reiter die Vorführung mit einem wirksamen Galopp-Sprint beginnen, gefolgt von kraftvollem Tölt oder Trab – der Reiter hat die freie Wahl, die Vorführung auf beider Bedürfnisse abzustimmen und sie auf die Qualitäten des Pferdes auszurichten.
In allen Klassen des Gæðingakeppni kann der Reiter den Programmablauf selber bestimmen und er entscheidet, welche Gangart in welcher Reihenfolge am besten zu seinem Pferd passt.
Das Gæðingakeppni ist für alle diejenigen reizvoll, die gerne an Turnieren teilnehmen und Spaß daran haben, die besten Eigenschaften ihrer Pferde zu zeigen – angefangen von den Kinder- bis zu den Erwachsenenklassen, wo es keine Altersunterscheidungen gibt.
Das Konzept für das Pferd ist mit dem ursprünglichen Bild des isländischen Pferdes verknüpft, wenn der Geist frei ist und der Charakter zum Ausdruck kommt – das ist unser wahres isländisches Pferd, ein „Gæðingur“.
Sigurbjörn Bárðarson
Übersetzt von Britta Möller
Übersetzt von Britta Möller









